Siegen ist in 6 Bezirke aufgeteilt. Den Bezirk I bildet im Norden Geisweid im Ferndorbachtal mit seinen Ortsteilen Birlenbach, Meiswinkel, Langenholdinghausen, Dillnhütten, Sohlbach, Buchen, Nieder- und Obersetzen.
Klafeld, ein Teil des heutigen Stadteils Geisweid wurde 1079 erstmals urkundlich erwähnt und ist damit einer der ältesten Orte des Siegerlandes.
Im 17. Jhdt. wuchs der Ort mit der damaligen Hüttensiedlung Geisweid zusammen. In 1963 wurde die Gemeinde Klafeld dann in Geisweid umbenannt, wurde aber meist als Klafeld-Geisweid bezeichnet. 1966 wurde aus den heutigen Stadtteilen Weidenau, Geisweid und acht weiteren Gemeinden die Stadt Hüttental gebildet. 1975 erfolge dann die Eingemeindung der Stadt Hüttental in die Stadt Siegen. Heute erinnert nur noch die Stadtautobahn Hüttentalstraße (HTS) an die früher selbständige Stadt.Im Siegerland kennt man die Klafelder nur als "Kloawender Fürschte". Damit erwies man ihnen früher jedoch keine Achtung, denn die Bezeichnung geht eher auf unangenehmes und angeberisches Verhalten zurück. Kurz vor dem ersten Weltkrieg zog eine Gruppe junger Burschen aus Dillnhütten am Wochenende sehr elegant gekleidet und mit viel Taschengeld nach Klafeld und protzten und provozierten durch ihr Gehabe in den Lokalen und bei Tanzveranstaltungen. Nach dem Krieg schlossen sich auch Klafelder junge Männer dieser Gruppe an und schnell wurden diese dann die "Kloawender Fürschte" genannt. In 1976 feierten die "Kloawender Fürschte" mit großem Auwand ihr erstes große Fest und stellten 1979 zur 900 Jahr-Feier von Klafeld ein Emblem für das "Fürstentum Klafeld in Geisweid" vor.
Geprägt wurde Geisweid durch die stahlverarbeitende Industrie, welche Geisweid in der Vergangenheit zu einer wohlhabenden Gemeinde machte. Um 1900 sah man einen regelrechten Wald aus Fabrikschornsteinen.
Davon zeugen heute auch noch viele Gebäude und das ausgedehnte Gelände der Krupp-Stahlwerke Südwestfalen (heute Deutsche Edelstahlwerke), sowie die weit sichtbare Schlackenhalde (373,8 m), die von den Einwohnern "Monte Schlacko" genannt wird. Ein guter Aussichtsplatz, der über den Klafelder Rundwanderweg erreicht werden kann.
Besonders die Eingemeindung nach Siegen, wurde von den Bürgern Geisweids nur mit Widerwillen akzeptiert, da die kleine Gemeinde durch die Stahlwerke-Südwestfalen und die daraus resultierenden Gewerbesteuereinnahmen eine durchaus wohlhabende Gemeinde war. In Spitzenzeiten wurden in den Stahlwerken bis zu 8.000 Mitarbeiter beschäftigt. Somit lebte fast jede Familie direkt oder indirekt vom Stahlwerk, heute besteht die Belegschaft nur noch aus ca. 600 Beschäftigten.
Zwei große Hüttenwerke gab es im Ort. Die Birlenbacher Hütte wurde 1463 erstmals erwähnt und bis 1971 in Betrieb. Im Zuge der Eisenbahnanbindung entstand in 1873 eine zweite Hütte, die Bremer Hütte, sie wurde jedoch bereits 1929 wieder geschlossen. Viele Arbeitsplätze bot auch die 1896 gegründete Siegerländer Herdfabrik, die in 1927umbenannt wurde in Sieg-Herd-Fabrik. Sie wurde 1964 nach Buschhütten verlegt.
Geisweid verfügte über nicht so große Gruben wie z.B. die Nachbargemeinde Weidenau. Die größte war die 1720 erstmals erwähnte Grube Nordstern die bis auf 67 m Tiefe Roteisenstein und Eisenglanz förderte. Sie wurde bereits in 1885 wegen Unrentabilität geschlossen.
Als Hammer- und Hüttenwerke waren bekannt das Geisweider Walz- und Puddlingswerk und der Geisweider Hammer, aus dem sich 1845 die Geisweider Eisenwerke entwickelten, sie erzeugten zunächst Puddelstahl. 1874 wurde hier (nach der Charlottenhütte in Niederschelden 1864) einer der ersten Kokshochöfen des Siegerlandes errichtet. 1890 entstanden ebenfalls hier die ersten Siemens-Martin-Öfen der Region.
Hatte der Erzbergbau im Siegerland bereits in den 30er Jahren nochmals einen Aufschwung erlebt, war das jahrtausendealte Hüttenrevier Siegerland im Zuge des „Wirtschaftswunders“ noch einmal gefragt, bevor gravierende Standortnachteile wie fehlende preiswerte Transportmöglichkeiten und Energiequellen in den frühen 1960er Jahren das vergleichsweise schnelle Aus für Bergwerke und Eisenhütten in der Region bedeuteten. Es überlebten vor allem einige kleine, aber weltweit führende Maschinenbau- und Gießereibetriebe.
1951 erfolgte die Konsolidation der Geisweider Eisenwerke mit dem Stahlwerk Hagen AG zur Stahlwerke Südwestfalen AG, die in der Nachkriegszeit zunächst zu den wichtigsten deutschen Konzernen ihrer Branche gehörte. In 1957 errichtete der Konzern ein von den Architekten Köhne und Reichert (Siegen) geplantes 14-stöckiges Verwaltungs-Hochhaus, das die Stadt optisch maßgeblich prägte.
Zwischen 1974 und 1984 übernahm dann die Krupp Stahl AG nach und nach das Unternehmen. Nach diversen weiteren Umgliederungen verkaufte ThyssenKrupp 2004 das heute als Deutsche Edelstahlwerke GmbH firmierende Konglomerat aus mehreren deutschen Werken an den Schweizer Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach. Aus dem ehemaligen Eisen- und Stahlwerk wurde ein Elektrostahlwerkes
Das aus den 50er Jahren stammende Verwaltungs-Hochhaus war das erste Hochhaus in dieser Gegend und auch eines der ersten 100 in ganz Deutschland. Mit seinen interessanten Treppen, dem Dachkasino mit Aussichts-Wandelgängen, um nur einige Details aufzuführen, galt dieses Gebäude als ein gutes Beispiel für die Bauentwicklung der Nachkriegszeit, weshalb es unter Denkmalschutz gestellt wurde.
In der Denkmalwertbegründung der Denkmalschutzbehörde heißt es:
“Das am 24. Januar 1957 eröffnete, 14-stöckige Gebäude der Stahlwerke Südwestfalen ist das beste Beispiel einer Bauentwicklung, die in Siegen in der 2. Hälfte der 50er Jahre begann und ihre letzte Ausprägung im Bau des Gerichtszentrums fand. Unseres Wissens nach ist das Gebäude in Siegen das einzige Beispiel für die Übernahme einer modernen Unternehmensrepräsentation und städtebaulicher Vorstellungen aus Großstädten in eine westfälische Mittelstadt.”
Allerdings stand in den 2000er-Jahren eine teure Sanierung an, für die offenbar kein Geld vorhanden war und der Eigentümer stellte einen Abrissantrag. Aufgrund des Gutachtens mit dem Fazit: „Ein Rückbau dieses Hochhauses ist nach Abwägung aller Gegebenheiten der einzig realistische Weg und kaum zu vermeiden.“ Wurde dann im Oktober/November 2009 das ehemals denkmalgeschützte "Krupp-Hochhaus" mit einem Spezialbagger abgerissen. Eine Sprengung des Baus konnte nicht erfolgen, da in unmittelbarer Nähe die HTS verläuft.
Die Geisweider Wohngebiete erstrecken sich heute weit auf den Heckenberg, Schießberg, Ruhrst, Mühlenberg und in die Wenscht.
Einer der vielen in Geisweid ansässigen Vereine ist der Fußballverein VfL Klafeld-Geisweid 08. Bekannt wurde der Verein, als er In der Saison 1971/72 in der Regionalliga spielte, der damals zweithöchsten Fußballklasse in der Bundesrepublik.. Die Heimspiele trägt die Mannschaft im Geisweider Hofbachstadion aus. Der traditionsreiche Sportverein, die TG Friesen, sind ebenfalls hier beheimatet.
In Geisweid findet von März bis November regelmäßig am ersten Samstag des Monats ein sehr umfangreicher Flohmarkt statt, der zu den größten im südwestfälischen Raum gehört.
Der Tiefbunker in Klafeld war der einzige Bunker in diesem Stadtteil, ansonsten gab es nur Stollen oder Deckungsgräben. Platz war für 226 Personen vorhanden. Bei der Neugestaltung des Klafelder Marktes und der Randbebauung des Platzes wurde der Bunker entfernt.
Geisweids Kirchen und Moscheen:
Im Zentrum Geisweids befindet sich die von der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde genutzte Talkirche, die in den Jahren 1904 – 1906 erbaut wurde und ein wunderschönes Geläut hatte. Die Glocken wurden im ersten Weltkrieg eingeschmolzen für Waffen.Die Selimiye Moschee steht ebenfalls im Zentrum. In dem zu Geisweid gehörenden Wohngebiet Wenscht befindet sich mit der 1959 errichteten Kirche St. Maria Immaculata am Hans-Böckler-Platz ein weiteres sakrales Bauwerk. Ebenfalls in der Wenschtsteht die in 1958 in Dienst gestellte Wenschtkirche.
Wer sich für Regionalgeschichte interessiert, dem wird die Heimatstube Buchen-Sohlbach empfohlen. Sohlbach liegt nur wenige Minuten von Geisweid entfernt in einem Seitental. In der ehemaligen 1752 errichteten Kapelle in Fachwerkbauweise sind Gegenstände aus der Landwirtschaft, der Haubergswirtschaft und zur Dorfgeschichte ausgestellt. Im Erdgeschoß befindet sich auch das aus dem Jahre 1570 stammende Uhrengehäuse der ehemaligen Kapellenschule. Auf der Freifläche steht ein Dampfhammer aus der Hammerschmiede der Fa. Krupp AG als technisches Baudenkmal aufgestellt. Der Hammer, der Ende der 80er Jahre stillgelegt wurde, ist über 100 Jahre alt.
Ein weiteres Stück Industriegeschichte kann man im heutigen Technologiepark besichtigen. Ein mächtiges Schwungrad einer Blockwalze. Mit 55t und einem Durchmesser von 8m bietet es einen beeindruckenden Anblick.
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